Inhalt
Das Orakel
Vorhang auf
Weit weit weg
Der Hohe Rat von Hochwärts
Der hartnäckige Blitz
Weißglut
Heldenmangel
Neugierig geworden?
Eine knappe Tagesreise durch Raum und Zeit vom Schauplatz dieser höchst mystischen Begebenheiten entfernt, hatte ein knapp zwölfjähriger Junge namens Heinrich Töpfer ganz andere, doch nicht minder elementare Sorgen. Er sah sich Auge in Auge mit seinem ärgsten Feind konfrontiert, dem dunklen Lord, der boshaft lachend lässig den Zauberstab schwang und mit dramatischen Gesten seinen viel zu großen Umhang bauschte.
Und Heinrich wusste, dass es in diesem Augenblick ganz auf ihn allein ankam. Niemand konnte ihm helfen. Nicht der sommersprossige Junge mit der feuerroten Pumucklperücke, der neben ihm stand und ihm aufmunternd zunickte, nicht das ihn erwartungsvoll anschauende Mädchen mit der Löwenmähne auf der anderen Seite, und auch nicht die übrige kleine Schar der Getreuen, die sich dezent im Hintergrund hielt. Nein, nur er selbst würde es vollenden können.
»Stirb, Wicht!«, rief der dunkle Lord drohend aus und stakste mit ungelenken Schritten und angriffsbereit erhobenem Zauberstab auf Heinrich zu. »Ich werde auch alle frikassieren und die Reste an meinen Hausdrachen verfüttern.«
Heinrich wich zurück, doch die hinter ihm aufragende Wand machte ihm unmissverständlich klar: Hier enden deine Rückzugmöglichkeiten. Hier und jetzt muss es entschieden werden.
Eine Lösung musste her! Doch wie sollte er diesen Kerl aufhalten, der höhnisch lachend näherrückte, den Arm hoch erhoben, bereit, den Todesfluch zu sprechen? Und er, ein minderjähriger Zauberlehrling, die getreuen Freunde an der Seite, darauf vertrauend, dass er sie schützen könnte, hatte alles vergessen, was er je gelernt hatte.
Außer … vielleicht einem Griff in die Trickkiste! Heinrich setzt alles auf eine Karte: »Mensch, pass auf!«, rief er dem dunklen Lord entgegen. »Du hast da einen Mordsriss im Zauberstab! Der platzt dir ja noch! Hier, probier lieber mal meinen.« Er reichte dem Finsterling seinen Zauberstab.
Der dunkle Lord stutzte und sein mit dem Zauberstab niedersausender Arm hielt mitten in der Bewegung inne, dann griff er wie mechanisch nach Heinrichs Zauberstab und streckte ihm den seinen entgegen, da ihm ein Austausch wohl fair vorkam. Doch mit einer raschen Handbewegung hatte Heinrich den Zauberstab geschnappt und reckte ihn siegreich in die Höhe. »Ha, reingefallen«, rief er triumphierend, zerpflückte den Pappzauberstab des Lords in kleine Stücke und warf sie ihm wie Konfetti um die Ohren. »Na, was sagst du jetzt?«
Der Lord sah sich überrumpelt. »Mein Zewa-Zauberstab«, stotterte er entsetzt.
»Stopp, aus!«, rief eine Stimme, ging aber unter im Gelächter, das sich in der Gruppe der Getreuen um Heinrich herum und in einer Anzahl in dunkle Betttücher gehüllter Unholde, die bisher stumm abseitsgestanden hatten, erhoben hatte. Der dunkle Lord jedoch war unter seiner bleichgrünen Schminke zornesrot angelaufen, was ihm eine sehr ungesunde Gesichtsfarbe verlieh. Er stieg von seinen Dosenstelzen herunter und kickte sie erbost in die Ecke. Erst ein zweiter, diesmal megaphonverstärkter Ruf, hielt ihn davon ab, sich im nächsten Augenblick auf Heinrich zu stürzen.
»Stopp! Aus! Aus! Aus! Schluss damit!«, dröhnte der Ruf über das Tohuwabohu hinweg.
Verwirrt wendeten die Schüler die Köpfe und hielten Ausschau nach dem energischen, aber sehr verzweifelt klingenden Rufer. Es war Herr Flötotto, der Leiter ihrer Theater-AG, der am Rand der Bühne stand und drauf und dran war, sich büschelweise Haare aus dem ohnehin lichten Haarkranz zu raufen.
Was hatte der nur? Gut, es war die erste Probe nach den Sommerferien und sie waren alle noch etwas eingerostet, aber warum unterbrach er ihre Aufführung gerade jetzt, wo sie so schön in Fahrt waren? Murrend ließen die Kinder die Pappzauberstäbe sinken, zogen sich die Betttücher über die Ohren und schauten ihren Lehrer fragend an.
Flötotto war mit der künstlerischen Tiefe des Dargebotenen offenbar überhaupt nicht einverstanden. Er strich sich mit einer nervösen Geste die verbliebenen Haare glatt und sammelte sich. »Okay«, stöhnte er, »okay, ich hätte auf meine Frau hören und lieber die Hauswirtschafts-AG übernehmen sollen. Aber, nun gut, ich wollte es ja nicht anders. Das Leid gehört zum Leben eines Kulturschaffenden einfach dazu.«
Heinrich und die anderen schauten sich achselzuckend an, während Flötotto zur Entspannung ein paar Yoga-Atemübungen machte. »Nun gut«, sagte er dann. »Kommen wir zur Einzelkritik. Patrick: sehr gute Performance als Lord Voldemort in der Angriffsszene. Dramatik, Gestik, Ausdruck - alles super. Allerdings solltest du vielleicht darauf achten, dich etwas lordmäßiger auszudrücken, falls du verstehst, was ich meine.«
»Ich finde, ich sollte Voll-der-Lord spielen«, rief einer der betttuchbewehrten Statisten dazwischen. »Ich tu das viel besser draufhaben, mit dem lordisch reden.«
»Ja, das hört man, Marcel. Man sagt nicht ›tun‹. Und es heißt Voldemort und nicht Voll-der-Lord.« Flötotto wendete sich dem Jungen mit der roten Perücke zu, der sich immer noch vereinzelte Lachtränen aus den Augen wischte. »Timo, bis zu deinem Lachanfall war das in Ordnung, aber du musst aufpassen, dass dir die Perücke nicht zu weit in die Augen rutscht.«
Timos Gesicht wurde ernst. Er knurrte etwas von ›scheiß Pumucklperücke‹ und kickte den roten Mopp von der Bühne. Das Mädchen mit der Löwenmähnenperücke nieste derweil laut und wühlte in den Untiefen seiner Umhangtaschen vergeblich nach einem Taschentuch. Ihre Nase war ziemlich gerötet.
»Lisa, ich hatte zwar gesagt, deine Rolle lässt Raum für künstlerische Entfaltung«, sagte Flötotto zu ihr, »aber ich wäre dir doch dankbar, wenn du ohne die dauernde Nieserei auskommen könntest.« Das Mädchen nieste erneut und schaute Flötotto vorwurfsvoll an. Dann feuerte sie ihre Löwenmähnenperücke der roten von Timo hinterher, nieste noch zweimal herzhaft und forderte lauthals einen Allergietest. Flötotto reichte ihr ein Papiertaschentuch und nahm sich dann Heinrich vor. »Tja, nun zu dir, Heinrich … ich weiß, wir interpretieren den ›Harry Potter‹ in unserer Aufführung ziemlich frei, aber für Taschenspielertricks ist dabei wirklich kein Platz. Du verkörperst den berühmten Jungen mit dem Blitz auf der Stirn, da muss dir schon etwas Besseres einfallen, als dem dunklen Lord den Zauberstab zu klauen. Emotion, Ausdruck, das ist es, was ich von dir erwarte! Es kommt gerade zum entscheidenden Kampf zwischen dir und dem dunklen Lord. Er steht kurz davor, den Todesfluch auszusprechen. Die Narbe auf deiner Stirn bringt dich vor Schmerz fast um den Verstand. Das muss man deinem Gesicht auch ansehen! Wir haben dich für die Hauptrolle ausgesucht, weil das mit deinem Namen so schön passt, aber es gehört schon ein wenig mehr dazu, um der Junge mit dem Blitz auf der Stirn zu sein.«
Flötotto sah Heinrich nachdenklich an, als zweifle er, das Notwendige noch irgendwann aus ihm herausholen zu können. »Vielleicht sollten wir in Erwägung ziehen, dich für eine andere Rolle zu besetzen«, sagte er überlegend. »Die des ›Ron‹ zum Beispiel. Du könntest mit Timo die Rollen tauschen, was hältst du davon?«
Heinrich tauschte einen Blick mit Timo, der feixend auf den Pumucklmopp deutete, der neben der zottigen Hermineperücke in der Ecke lag. Heinrich sagte nichts, aber der Vorschlag behagte ihm nicht.
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Kapitel bewerten:



Talisker sagt:
Ein paar ehrliche Worte:
Tschuldige, aber das geht gar nicht. Das klingt so, als wenn ein Erwachsener versucht, die heutige Jugendsprache zu imitieren. Ach ja, ist ja auch so
Im Ernst, das ist in meinen Augen der schlechteste Einstieg, den Du bisher hattest. Ein bemühter Berliner Dialekt und ebenso bemühte Jugendsprache. Die Idee mit der Schulaufführung ist nicht schlecht aber mit den zuvor genannten Elementen übertreibst Du völlig.
Irgendjemand (Schauspieler? Komiker?) hat mal in einem Interview gesagt, daß viele Kollegen ihren (komischen) Figuren einen Berliner Dialekt verpassen, weil das wohl per se als witzig gilt, liegen damit aber meistens völlig daneben.
Diesen Eindruck habe ich hier leider auch…
Dave sagt:
@Talisker
Hast ja leider recht, Mann. Das kommt davon, wenn man auf die Schnelle etwas raushaut, ohne es überarbeitet zu haben. Mal sehen, wie die gestraffte Version (ohne Berliner Einlagen) ankommt…
Anonymous sagt:
Also ich fand es gut. Doch könnte man wirklich ein paar ferbesserungen machen, aber ansonsten fand ichs gut.
