»Geduld ist eine Tugend.«

»Jaja, Geduld habe ich tonnenweise. Und jetzt mach endlich mal ‘n bisschen hin.«

Das folgende Gespräch zwischen David Kramer und Lärmine wurde im April 2007 kurz nach Ostern aufgezeichnet.

Die Arbeitszimmertür öffnet sich einen Spalt und ein braunhaariges Mädchen steckt schüchtern die Nase herein …

Lärmine: »Hi, Dave. Darf ich kurz stören?«
Dave: »Oh, hallo Lärmine. Komm doch rein. Wie geht’s dir?«
Lärmine: »Ach, ganz gut soweit, obwohl …«
Dave: »Was ist los? Bedrückt dich irgendwas?«
Lärmine: (druckst herum) »Naja, die anderen schicken mich, weißt du. Die maulen rum und sagen, dass es mit der Geschichte nicht schnell genug voran geht. Ich versuche ja immer, ihnen zu sagen, du machst so schnell du kannst, aber sie …«
Dave: »… aber eigentlich geht es dir auch zu langsam, oder?«
Lärmine: (lacht) »Naja, ich würde mich schon gerne irgendwann mal im Licht der Öffentlichkeit wiederfinden. Und mich interessiert natürlich auch, wie es mit uns, also Heinrich, Rum und mir, so weitergehen soll und was du dir für uns als Fortsetzung ausgedacht hast. Und falls du Schwierigkeiten hast, habe ich mich gefragt, ob ich dir vielleicht irgendwie helfen kann.«
Dave: »Klar, du könntest die Ungeduldigen solange mit ein paar Geschichten aus deiner Jugend unterhalten.«
Lärmine: »Witzbold. Meine Jugend fängt doch gerade erst an.«
Dave: »Und deine Geschichte hoffentlich auch.«
Lärmine: »Das liegt doch wohl nicht an mir, oder? Du bist es schließlich, der mich erfunden hat. Wenn hier einer die Leute mit Geschichten aus meiner Jugend unterhalten könnte, dann du.«
Dave: »Hm, da ist was dran.«
Lärmine: »Und? Rückst du jetzt heraus damit?«
Dave: »Womit?«
Lärmine: »Na, damit, wie der Stand der Dinge gerade so ist. Schau dir doch mal deine Umfrage zu den Wünschen der Leute an. Sie wollen Kostproben und sie wünschen sich häufiger Wasserstandsmeldungen.«
Dave: »Kostproben habe ich doch inzwischen einige gegeben …«
Lärmine: »Wie wär’s dann jetzt mal mit einer Wasserstandsmeldung?«
Dave: »Du lässt nicht locker, was? - Na schön. Also: Nachdem ich im vergangenen Jahr ein paar Testrunden mit Probelesern gedreht hatte, waren einige Leute ziemlich unzufrieden mit dem Anfang der Geschichte. Und der Anfang ist enorm wichtig, wie du weißt. Es ist der Teil, den man zur Vorstellung des Projektes an einen Verlag oder eine Agentur schickt. Außerdem entscheidet der Anfang, der erste Eindruck, bei einem Leser darüber, ob er das Buch weiterliest oder nicht. Im schlimmsten Fall kauft er es gar nicht erst, wenn er nicht auf den ersten Seiten seine Erwartungen erfüllt sieht oder hinreichend neugierig gemacht wurde. Also sah ich mich gezwungen, mich noch einmal sehr gründlich mit dem Anfang zu beschäftigen und ihn komplett umzuschreiben. Nicht zum ersten Mal übrigens.«
Lärmine: »Aber das allein kann doch nicht so lange dauern.«
Dave: »Tja, der neue Einstieg in die Geschichte beinhaltet mehr als nur ein oder zwei neue Kapitel. Es entstand daraus die Idee für zwei vollständig neue Rahmenhandlungen, die um den Rest herumgestrickt werden müssen und dem Ganzen eine zusätzliche Note verleihen, die bisher nicht vorhanden war -«
Lärmine: »Komm zum Punkt.«
Dave: »- dadurch bekommen widerum einige der Hauptfiguren neue Grundmotivationen für ihre Handlungen, ihre Präferenzen verschieben sich und der ganze Inhalt geht teilweise in eine neue Richtung.«
Lärmine: »Mit anderen Worten: du fängst wieder von vorne an und wirst nie fertig.«
Dave: »Nein, nein, wo denkst du hin.«
Lärmine: »Die Idee mit den Rahmenhandlungen kam dir schließlich schon im letzten Winter, oder?«
Dave: »Naja, es dauert mal wieder seine Zeit, da hast du schon recht.«
Lärmine: »Ich wusste es doch. Eine unendliche Geschichte.«
Dave: »Gib mir noch drei Monate, bitte.«
Lärmine: (lacht) »Drei Monate? Das glaubt dir kein Drachenei in deinem Gelege!«
Dave: »Okay, ein halbes Jahr. Dann bin ich durch.«
Lärmine: (schaut skeptisch)
Dave: »Höchstens neun Monate. Dann mache ich einen Deckel drauf und die Literaturagenturen sind dran.«
Lärmine: »Neun Monate. Dein Wort darauf?«
Dave: »Ich tu, was ich kann.«
Lärmine: »Na schön, mehr bekomme ich von dir ohnehin nicht.«
Dave: (seufzt) »Das ist mehr, als jeder andere an Garantien von mir bekommen würde.«
Lärmine: »Und wenn die Literaturagenturen und die Verlage nicht anbeißen? Ich meine, wenn das Projekt tatsächlich endgültig scheitern würde?«
Dave: »Dann wäre ich vor allem erstmal sehr traurig. Ich würde gerne noch weitere Geschichten über dich, Heinrich und Rum schreiben.«
Lärmine: »Ich hätte auch nichts dagegen, den Weg noch ein wenig gemeinsam mit dir und den beiden Jungs zu beschreiten, zumal die Harry-Potter-Geschichten mit unseren Vorbildcharakteren diesen Sommer zu Ende gehen. Würdest du das ganze Projekt dann einfach einstampfen oder würdest du deinen und unseren Fans die Gelegenheit geben, das fertige Buch, in welcher Form auch immer, lesen zu können?«
Dave: »Das ist nicht einfach zu beantworten. Du weißt, ich habe zu dem Thema schon in meiner Vita geschrieben, es hätte schon seine Gründe, wenn es nicht zu einer Veröffentlichung auf den üblichen Verlagswegen käme …«
Lärmine: »Ja, aber du weißt auch, dass eine Ablehnung deines Manuskriptes nicht zwangsläufig etwas mir der Qualität des Textes zu tun haben muss, sondern vielleicht nur damit, dass dem Thema keine überzeugenden Marktchancen eingeräumt werden oder so etwas. Und dann wäre es schade, wenn du es einfach in der Schublade verschimmeln ließest.«
Dave: »Ja, da hast du recht. Die Gründe für Ablehnungen können sehr vielfältig sein. Aber zumeist wissen Verlage und Agenturen schon, warum sie einem Projekt eine Absage erteilen.«
Lärmine: »Es geht ja auch gar nicht darum, dass wir von dir verlangen, etwas erzwingen zu wollen oder zu können, sondern nur darum, deine Fans zufrieden zu stellen und ihnen etwas zu geben.«
Dave: »Es kann und wird keine Veröffentlichung bei einem Druckkostenzuschussverlag oder ähnlichen Gangstern geben.«
Lärmine: »Komm schon, es gibt doch auch noch andere Möglichkeiten.«
Dave: »Es gibt in der Tat eine Sache, die ich mir vorstellen könnte …«
Lärmine: »Raus damit!«
Dave: »Ich könnte etwas Kohle zusammenkratzen und die Geschichte in Kleinserie selbst drucken. Nicht als ›Book on Demand‹; das ist viel zu teuer. Das Konzept eignet sich eher für hochpreisige Sachbücher, Dissertationen oder Diplomarbeiten. Allerdings wäre auch der Weg über eine konventionelle Druckerei nicht billig und schon gar nicht ohne Risiken. Ich müsste das mal durchkalkulieren. Das kann ohnehin nur als letzte Möglichkeit …«
Lärmine: »Na, das ist doch ein Wort. Würde das bedeuten, dass nur der kleine Kreis Eingeweihter und Freunde in den Genuss kommen würde?«
Dave: »Nein, ich würde dann schon versuchen, dass jeder, den es interessiert und der eins haben möchte, das Buch kaufen könnte. Aber wie gesagt, nur für den Fall, dass …«
Lärmine: »Und dann würdest du ja bestimmt auch noch eine Fortsetzungsgeschichte über uns schreiben, oder?«
Dave: »Hm? Ach so, ja. Ein paar Ideen hätte ich da schon. Wäre schade, wenn die in der Schublade blieben. Aber ich möchte auch nicht auf ein Pferd setzen, das an sich schon tot ist.«
Lärmine: »Na, dann wäre das also abgemacht. Ich denke, das genügt mir erstmal an Zusagen. Siehst du, war doch gar nicht so schwierig.«
Dave: (grinst) »Miese Gaunerin.«
Lärmine: (springt auf) »Tja, ich muss dann auch los. Heute Morgen ist ›Abwehr Schwarzer Magie‹ und Mr. Spack will uns etwas über Origami mit Alufolie zeigen. Das will ich nicht verpassen. Tschüs, Dave.«
Dave: »Tschüs, Lärmine. Und grüß bitte die anderen von mir, ja?«

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3 Kommentare zu ›Lärmine und Dave zum Thema Geduld und Sachstand‹



  1. Talisker sagt:

    Déjà-vu!

    Biertische und Litfaß-Säulen erscheinen vor meinem inneren Auge.

    Vor Lauschern aus der magischen Welt ist man nirgends sicher.

    :mrgreen:



  2. steffi sagt:

    Hallo. habe die probekapitel gelesen und fand sie super :mrgreen: hab mal ne frage, ist “bitte nicht rütteln” eine fortsetzung :?: gibt es schon ein heinrich töpfer buch :?:

    liebe grüße steffi



  3. Dave sagt:

    Hi Steffi,
    leider gibt es bisher noch keine Fortsetzung und auch keinen Vorläufer zu “Bitte nicht rütteln”. Ob es die je geben wird, hängt auch davon ab, ob ich für den ersten Band einen Verlag finde. Lust darauf hätte ich jedenfalls. Sehen wir einfach mal, was die Zukunft bringt. Bis dahin, schau ab und zu vorbei und empfiehl mich weiter. :-)
    Liebe Grüße
    Dave

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